Die Blutegeltherapie gehört zu den so genannten ausleitenden Heilverfahren. Hierbei steht die Beseitigung von lokalen Fülle-, Stauungs- und Schmerzzuständen aufgrund eines Blut - und Lymphödems im Vordergrund. Dies wird mit Hilfe von an der Hautoberfläche angesetzten Blutegeln erreicht. Zusätzlich werden durch die Injektion von Blutegelwirkstoffen auch spezielle antiphlogistische (entzündungshemmende) und analgetische (schmerzlindernde), sowie das Milieu der bindegewebigen Grundsubstanz verbessernde Effekte postuliert.
Blutegel wurden schon seit Jahrtausenden zu medizinischen Zwecken verwendet. Durch die maßlose Anwendung vor allem im Frankreich der letzten Jahrhunderte verschwanden die Blutegel und mit ihnen die Methode vorübergehend fast vollständig aus Mitteleuropa. Heute gewinnt die Methode nicht zuletzt durch neuere Forschungsarbeiten in der Unfallchirurgie (z.B. Replantationschirurgie), bei venösen Erkrankungen (z.B. oberflächlichen Venenentzündungen) und bei Erkrankungen des Bewegungsapparates (z.B. Kniegelenksarthrose) wieder zunehmend an Bedeutung. Die heute verwendeten Blutegel werden meist in Zuchtanstalten kultiviert (www.blutegel.de) und dürfen aus hygienischen Gründen nur einmal verwendet werden.
Der Biss eines Blutegels ist nicht sonderlich schmerzhaft. Allenfalls werden die Bisse wie "Brennesselstiche", Insektenstiche, leichtes Ziehen oder als "Spritzeneinstich" beschrieben. Das ist auch logisch, denn der kleine Sauger hat in der freien Natur wenig Interesse, daran bemerkt und abgeschüttelt zu werden. Der Blutegelspeichel enthält einen einzigartigen Wirkstoffcocktail aus ca. 30 verschiedenen Substanzen von denen allein eine histaminähnliche Substanz im weiteren Verlauf zu einem leichten "Heiljucken" wie bei einem "Mückenstich" führen kann.
Der Therapeut sucht die zu behandelnden Stellen aus. Es werden meist mehrere Blutegel rund um die ausgewählte Stelle angesetzt. Bei Entzündungen setzt man den Egel nie in den Bereich der Entzündung, sondern immer nur in die Nähe der Entzündung. Ebenso wird man den Egel nie auf eine Vene direkt setzen.
Beim Ansetzen des Blutegels geschieht folgendes: Der Blutegel "sprüht" einen "Weichmacher" auf die Haut, der die Poren öffnen soll.
Mit seinen Zahnfeilen (die im Kopf des Blutegels untergebracht sind) raspelt der Egel die Haut in Form eines Dreisterns auf. Sobald die Haut aufgeraspelt ist, gibt der Egel seinen Speichel in die Öffnung. Während der Weichmacher und die Raspel / Feilarbeit vom Patienten gespürt wird, ist die Saugperiode nicht mehr zu spüren. Ein Blutegel kann 2 bis 10 ml Blut aufnehmen.
Der Speichel des Blutegels, der das Hirudin enthält, hat eine ausgesprochen blutverdünnende Wirkung. Außerdem kommt es nach dem Biss (Mini - Aderlass) zu einem Einstrom von körpereigenen weißen Blutzellen / Freßzellen und "Killerzellen", die das Verletzungsgebiet reinigen sollen.
Der Saugakt kann zwischen 30 und 90 Minuten dauern. In seltenen Fällen muss der Blutegel vorsichtig entfernt werden, wenn der Saugakt zu lange dauert.
Nachdem die Blutegel sich von alleine abgelöst haben, wird Ihnen nach 5-10 Minuten ein Wundverband angelegt und Sie bekommen Verbandsmaterial für zu Hause mit.
Wir bitten Sie, auch ein Protokoll zur Dokumentation des Behandlungserfolges auszufüllen, damit wir diese auswerten und somit insgesamt die Therapie optimieren können.
Einen ersten Einblick in die Langzeitwirkungen ermöglicht beispielsweise eine retrosektive Analyse von ca. 400 Gonarthrosepatienten (Kniearthrosepatienten) der Kliniken Essen-Mitte, die jeweils einmalig mit Blutegeln behandelt wurden. In der Nachbeobachtung zeigte sich bei 90% eine deutliche Schmerzlinderung, die in 27% der Fälle 1 bis 3 Monate, in 33 % 4 bis 9 Monate und in 26% 10 und mehr Monate anhielt. Bei 72% fand sich ein reduzierter Schmerzmittelbedarf, bei 32% länger als ein Jahr. Unerwünschte Wirkungen blieben selten, bis auf häufigen lokalen Juckreiz und gelegentlich verstärkte Hautrötungen
(Spahn G, Rieckmann T, Michalsen A et al.: Long-Term results and adverse effects of leech therapy in osteoarthritis. Focus on Complementary and Alternative Medicne (FACT). 2005;10;34)
Die Kosten der Blutegeltherapie werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Fragen Sie bitte vor der Behandlung bei Ihrer Krankenkasse nach.
Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte. Die Therapie kostet 70€ plus 6 bis 7€ pro Blutegel.
Zur Kostenübersicht GOÄ Siehe auch:
Patienteninfo- Vorinformation Blutegeltherapie, Einverständniserklärung Blutegeltherapie und Schmerzdokumentation Blutegeltherapie.
Weitere nützliche Informationen unter: www.blutegel.de